Geländetraining im Winter

14 Feb

Das Reiten im Gelände kann im Winter sehr eintönig sein. Häufig reitet man bei schlechtem Wetter immer wieder die gleichen Strecken und häufig sind die Wege, so matschig, das man einfach nicht schneller als Schritt reiten kann. Da kommt bei Pferd und Mensch schnell Langeweile auf, gerade wenn man, wie ich, immer alleine unterwegs ist. Deshalb versuche ich im Winter immer am Feintuning mit meinen Pferden zu arbeiten.

Dabei liegt mein Hauptaugenmerk darauf, das die Ponys lernen auf feinere Hilfen zu reagieren. Meist sind jedoch nicht die Falben, das Problem sondern ich. Ich muss das Timing meiner Hilfen verbessern und eben auch immer feiner werden lassen. Dies ist im Gelände, im Winter, wenn die Ponys Bewegungsmangel haben und entsprechend „geladen“ sind nicht immer leicht zu erreichen. Aber wir haben ja Zeit und Muse.

Paraden punktgenau auf Pfahlhöhe 🙂

Heute musste Ljosfari dran glauben. Er steht im Augenblick ein wenig unter Strom. Unser größtes Problem ist im Moment, das er sich gerne im Genick festmacht und wenn man Stellung möchte, er gerne versucht im Hals abzubiegen. Ich muss also gerade auf seiner vermeintlich steifen Seite (links) gut auf den Aussenzügel aufpassen, sonst verbiegt das Pony sich leicht.

Von spannungsgeladen zu losgelassen 🙂

Beim Wintertraining im Gelände startet das Pony immer sehr gerne flott. Wir sind also im Rennsemmelschritt unterwegs. In diesem Tempo ist natürlich keine Losgelassenheit möglich. Früher habe ich mich an dieser Stelle immer furchtbar aufgeregt und anständigen Schritt gefordert, aber sich gegenseitig übereinander aufzuregen, ist der Losgelassenheit auch nicht wirklich förderlich. Also lasse ich ihn erstmal losrennen und versuche mich mit meinem Sitz möglichst gut in die Bewegung einzupassen. Dann fange ich an meinen Sitz zäher werden zu lassen, meist wird es dann dem Eselchen schnell zu blöd, immer gegen die Dicke anzurennen! Er wird langsamer und lockerer. Dann fange ich an, Stellung abzufragen.

Reite ich am rechten Rand des Weges, verlange ich Linksbiegung. Meist fange ich jedoch auf der linken Wegseite an und stelle nach rechts. Rechts ist des Ponys Schokoladenseite, aber gerade im Winter klemmt das Genick auch schon mal auf beiden Seiten. Ich baue also in einer eher längeren Halshaltung Zügelkontakt auf. Immer mit der Konzentration auf meinen Sitz. Wie schwingen die Hinterbeine vor, tritt vielleicht wieder mal das linke Hinterbein am Schwerpunkt vorbei. Habe ich die Gerte in der „richtigen“ linken Hand weil ich sonst das Problem noch weiter verstärke. Hebt sich der Rücken gleichermassen oder bleibt eine Seite tiefer.

Bleibt der Graue weiterhin im Takt versuche ich ihn mithilfe der Körperdrehung einmal nach links zu stelle, habe ich den Aussenzügel genug dran ? Damit das Pony sich nicht verbiegt! Wenn Ljosfari gut im Takt weiterläuft, lasse ich ihn genauso ruhig wieder zu seiner guten Seite rüberschwappen. 🙂

Schenkelweichen –

geht auch auf schmalen Wegen

Zwischendurch lasse ich ihn immer wieder ein paar Schritte Schenkelweichen zum anderen Wegrand gehen. Gerade, beim Übergang ins Schenkelweichen, gebe ich gerne eine Parade in den äußeren Hinterfuss. Ich versuche den Moment zu erwischen, indem das Hinterbein zwar aufgefusst hat aber noch nicht schiebt. Das längere Beugen des Hinterbeins hilft der Balance und das Schenkelweichen lässt sich einfacher einleiten.
Ich probiere aus, ob ich die Parade mit dem äußeren Zügel geben kann oder ob ich den inneren Zügel nehmen muss. Dies ist bei Ljosfari im Moment noch sehr von der Tagesform abhängig.

Durch diese Mini-Aufgabe ziehe ich seine Aufmerksamkeit auf mich und seine winterliche Grundanspannung wird weniger. Ich bekomme mehr Losgelassenheit, er hört mehr zu und seine Balance verbessert sich. Er kaut und die Bereitschaft sich an den Zügel heranzudehnen vergrößert sich.

Er bekommt ein Megalob und darf sich am langen Zügel erst mal dehnen. Nun hat der Schritt auch mehr Takt und erinnert nicht mehr an Stakkato.

Paraden

Bei Ljosfari waren die Paraden ja immer ein bisschen schwierig. Gerade bei der Parade zum Halt hebt er sich gerne raus. Er steht dann, wie ein Zinnsoldat da. Heißt: Kopf hoch, Rücken durchgedrückt – also genau das Gegenteil von dem was man eigentlich erreichen möchte. Aber irgendwann hat er dies bei der Clickerarbeit wohl falsch verknüpft, als ich ihn für schnelles und promptes Anhalten geclickert habe. Er hat die dummerweise aufs Reiten übertragen und nun bemühe ich mich um Schadensbegrenzung. Leider habe ich, als ich anfing mehr über den Sitz reiten zu wollen, auch ihm meine Sitzbeinhöcker bei der Parade ein wenig zu stark in den Rücken geschoben. Nun gestalte ich die Parade sanfter durch das leichte Andrücken der Knie in Verbindung mit einem Ausatmen. Aber leider verhinderte dies anfangs nicht das „Strammstehen“. 

Mein momentanes Lieblingsbuch: Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik von Dr. Thomas Ritter

Nach dem Studium von Dr. Thomas Ritters Buch „Klassisches Reiten auf Grundlagen der Biomechanik“, bin ich der Lösung für diese Problem ein bisschen näher. Dort wird nämlich empfohlen, Übergänge und eben auch Paraden in drei Tritten zu reiten. Das heißt die Hilfen werden jeweils dreimal nacheinander gegeben. Die ersten beiden Paraden warnen sozusagen das Pferd vor. Ich gebe meine Hilfen auf ein Hinterbein, immer dann wenn es zwar schon aufgefußt hat, aber ich nicht schiebt. So fällt es Ljosfari viel leichter die Parade entspannt umzusetzen.

Ein weiterer Knackpunkt beim Anhalten ist; das Ljosfari in der Parade gerne schief wird, dies passiert natürlich besonders leicht, wenn ich die Lektion ein wenig ausdehne und von ihm verlange wirklich Last mit der Hinterhand aufzunehmen.

Ich brauche also bei den Paraden sehr viel Geduld, weil sie auch nicht unbedingt zu den Lieblingsübungen meines Temperamentsbolzen gehören. Natürlich passiert es uns auch heute noch, das ich ihn mit einer Parade zu sehr überfallen und er sich raushebt. Aber wir wissen nun beide in welche Richtung es gehen soll und wir arbeiten dran. 😀

Und wie sieht Euer Geländetraining im Winter aus ?

Links:

Paraden, ohne Zügelhilfen – Pfridolin und die Frau machen es vor. Unbedingt nachmachen 🙁

In einem Beitrag aus der Zeitschrift „Feine Hilfen“ beschreibt Anja Beran, wie man eine Parade fein reiten kann.

Schaut doch mal auf die Homepage von Shauna und Dr. Thomas Ritter. Dort gibt es immer wieder ganz tolle auch kostenlose Online Kurse zu super interessanten Themen. Im Moment gibt es dort eine zum Challenge zum Thema „Halten Sie Ihr Pferd gesund“. Ich bin sehr gespannt, was uns dort erwartet. 🙂


Kommentar verfassen